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.___Unverzeihlich.

Ich habe letztens „Für immer Liebe“ gesehen und für mich beschlossen: Ich schreib Tagebuch. Man weiß nie, was passiert. Und falls ich ins Koma fallen sollte und aufwache und nicht mehr weiß, wer ich bin, mit wem ich zusammen bin, wen ich liebe, was alles passiert ist – ja genau deswegen halte ich das nun fest. Schauen wir mal, wie lange ich dazu Lust habe.



Seit ein paar Tagen habe ich meine neue Wohnung. Sie ist schön geworden, auch, wenn ich mich noch nicht ganz zuhause fühle. Auch, wenn ich gerade alles habe, was ich haben wollte, fühle ich mich manchmal komisch. Es ist alles noch fremd hier, ich muss mich erst einleben. Aber ich denke, das wird noch. Ich bin glücklich mit Philipp, auch wenn meine Eltern ein riesen Problem damit haben. Weil ich mich von Stephan scheiden lasse. Ich bin nicht traurig darüber, wenn man es genau nimmt bin ich sogar scheiß froh drum. Natürlich hatten wir schöne Zeiten, aber ich glaube so wirklich geliebt habe ich ihn nie. Er war immer nur ein Freund, ein Besitz. Mit Liebe hatte das nicht viel zu tun. Oder? Ich habe mehrmals um ihn gekämpft, weil ich Angst hatte als alte Jungfer zurück in den Himmel zu wandern. Und was mach ich dumme Kuh dann? Ich heirate. Der größte und wahrlich teuerste Fehler meines Lebens.



Ob ich das nochmal tun würde? Wenn ich jetzt so drüber nachdenke... in vielen Jahren vielleicht. Unter gewissen Bedingungen. Klammheimlich. Ohne großes Tamtam. Wen sollte ich auch einladen? Meine Familie hat mir so weh getan, dass ich das nicht einfach so vergessen kann und will. Der Stempel des schwarzen Schafes wird mir immer bleiben. Aber das macht nichts, es ist okay. Ich kann damit gut leben. Vielleicht lernen sie auch irgendwann, verstehen irgendwann, was sie mir mit dem Ganzen angetan haben. Momentan fahren alle ihre Egoschiene. Ich habe ihnen so böse Sachen angetan. Die Eine ist sauer, weil ich nicht mit ihr geredet hab. Andersherum wäre es aber bestimmt auch wieder falsch gewesen, weil... und überhaupt.. und so. Die Andere ist schon seit eh und je nicht das, was man sich eigentlich als Schwester wünscht. Und ich glaube, ich muss es einfach aufgeben sie als "die" Schwester zu sehen. Meine Eltern? Die haben sich wieder eingekriegt. Einigermaßen zumindest. Bleibt abzuwarten, was das noch wird. Ich bin ja mal gespannt.

Aber man stellt sich halt schon interessante Fragen, stellt interessante Dinge fest. Natürlich hab ich mich nicht mit Ruhm bekleckert. Ich bin meinem Ehemann fremdgegangen und das auch noch mit seinem Arbeitskollegen UND ich habe mich zusätzlich auch noch verliebt. Aber kann man deswegen einen Menschen verurteilen? Ja, scheinbar kann man das. Es stellen alle so hin, als wäre es für mich einfach gewesen. Natürlich war es das. Ich hab ganz bestimmt auch gleich gesagt: Und tschüß, Ehemann. Willkommen, neues Leben. Nein, so einfach war es nicht. Ich habe lange dagegen angekämpft. Ich habe lange meine Bedürfnisse zurückgestellt um den Erwartungen der anderen gerecht zu werden.

Und genau dann stellst du fest: Es geht nicht mehr. Und dann fällst du eine Entscheidung, die tief im inneren in dir längst gefallen ist. Und die Menschen, von denen du es am wenigsten erwartest - ja, genau die Menschen sind nicht für dich da. Deine Familie lässt dich im Stich. Du kannst schauen, wie du alleine klar kommst. Von allen wirst du schief angesehen, als wärst du eine Außerirdisiche, eine Schwerverbrecherin. Ich frage mich wirklich, was in den Köpfen einiger Menschen vorgeht. Du suchst das Gespräch, dann werden dir Sachen um die Ohren geworfen, da schüttelst du nur mit dem Kopf. "Ich weiß nicht einmal mehr was ich dir glauben kann und das hatte ich noch nie!" - was soll ich dazu sagen? Wie läuft der Plan? Wir sagen soviel wie möglich, nur um dir auch weh zu tun? Es ist faszinierend, das mir der Schuh angezogen wird, dass ich diejenige bin, die alles verbockt hat. Und als Strafe dafür muss ich mir jetzt tatsächlich von allein Seiten anhören, was ich nicht alles falsch gemacht habe, was ich nicht für ein schlechter Mensch bin? Dass man mir eh nicht mehr glauben kann? Es ist wahrlich faszinierend. Ich hätte es nicht gedacht. Ehrlich nicht. Hey, ich habe keine Bank ausgeraubt, ich habe niemanden umgebracht. Ich habe mich nur neu verliebt, weil mein Exmann es nicht auf die Reihe bekommen hat mich glücklich zu machen, obwohl ich mehrmals mit ihm geredet habe und er nur schulterzuckend und schweigend daneben saß. Wir haben einfach nicht zusammen gepasst. So einfach ist das. Ich brauch Aufregung in meinem Leben und keine langweilige Schlaftablette.



Aber ist es gerechtfertigt mich jetzt zu meiden? Ich glaube, gerade meinen Schwestern ist es nicht wirklich bewusst, was sie da innerlich in mir zerstört haben. Ja, natürlich war ich egoistisch. Aber das ist noch lange kein Grund, SO zu mir zu sein. Ich erinnere mich an die Facebooknachricht (wohl gemerkt eine FACEBOOKNACHRICHT) - kurz vor der Firmung meines Neffens - dass man nicht möchte, dass "so ein Mensch wie ich" Firmpatin ist. Mir wurde das Firmpatenamt entzogen. Es war okay für mich, unter den Umständen hätten mein Neffe und ich eh keinen schönen Tag verbringen können. Aber den Mut, mir das selber ins Gesicht zu sagen oder wenigstens anzurufen? Nee.



Wird hier jetzt von mir erwartet, dass ich Gras über die Sache wachsen lasse und wir irgendwann alle wieder an einem Tisch sitzen und ich ausgelassen mit ihnen lache? Nein, liebe Mitmenschen. Es wird so leider nicht sein. Denn DAS war für mich ein kleines bisschen zuviel. Auch ich kann mal diejenige sein, der etwas zuviel ist. Ich hab genug eingesteckt. Ich erwarte von meiner Familie eigentlich, dass sie für einen da sind, wenn man sie wirklich braucht. Und nicht, dass man mit einem Messer da steht und nachbohrt. Ja, vermutlich werdet ihr zwei auch innerlich wieder kochen und euch fragen: "Was will sie denn damit schon wieder bezwecken, diese dumme Kuh=" und ihr werdet sauer sein und überhaupt. Aber ich möchte euch erklären, was ich damit erreichen will:



Ich möchte damit erreichen, dass ihr über euer Verhalten in den letzten Wochen nachdenkt. Das ihr vielleicht bemerkt: Oh, okay. Das war ihr gegenüber vielleicht doch nicht so fair. Vielleicht fragt ihr euch auch mal, was ihr erwartet würdet, wenn ihr euch von eurem Mann trennt. Ob es dann so schön wäre, wenn die Schwestern einen auf Best Friend mit dem Exmann machen, der wahrlich auch einen großen Teil zu dem Scheiß beigetragen hat. Und dann hoffe ich, dass ihr bemerkt, wie beschissen es eigentlich ist, dass eigene Schwestern einen wie den größten Außenseiter behandeln. Vielleicht versteht ihr ja dann auch, dass für mich (ja ich weiß, für euch auch, weil ich nicht euren Erwartungen entspreche!!!!!) innerlich etwas zerbrochen ist. Und ja, ich hab wirklich den kleinen Funken Hoffnung, dass IHR auf mich zukommt und euch entschuldigt. Für euer Verhalten.



Mir wurde auch mal gesagt: Du kannst eh nicht ohne Familie.

Kann ich auch nicht, konnte ich nie. Natürlich würde ich es mir anders wünschen und ich bin echt froh, dass ich mit meinen Eltern wieder einigermaßen normal umgehen kann. Aber Familie bedeutet für mich Zusammenhalt, Vertrauen, Loyalität.


Habe ich das? Nein. Und jetzt?
25.8.12 21:03
 


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